Sollzins? Effektivzins? Welcher Zins gilt denn nun? Was ist der Unterschied zwischen beiden Zinsarten? Eben das erfährst du in diesem Ratgeber Sollzins vs. Effektivzins.

Ja, es ist verwirrend. Du willst einen Kredit aufnehmen – und stolperst über die Zinsen. Einmal ist vom Sollzins die Rede, dann wieder vom Effektivzins. Welcher Zinssatz nun stimmt? Beide…

Kurz und knapp…

  • Der Sollzins (früher Nominalzins) verrät den Zins für einen Kredit
  • Dieser Zins ist entweder gebunden (während der Laufzeit fest) oder variabel.
  • Der Effektivzins ist dagegen der Sollzins plus den Nebenkosten.

Der Sollzins ist allein der Kreditzins

Du brauchst ein neues Auto oder willst ein Haus bauen? Dann kommst du selten um einen Kredit herum. Entweder nimmst du einen Autokredit auf oder schließt eine Baufinanzierung ab. Ein Kredit kostet jedenfalls Geld – in Form von Zinsen. Du leihst dir also Geld und zahlst es mit einem Aufschlag (Zins) zurück. So kommst du an Cash und die Bank bzw. der Kreditgeber verdient Geld. Win-Win für beide Seiten.

Dieser Zins auf einen Kredit oder Darlehen ist jedenfalls der Sollzins. Dieser rechnet aber noch nicht die Nebenkosten ein. Der Sollzins ist quasi das Schnitzel, aber ohne Pommes und Pilze. Diese wären die Nebenkosten. Zum Beispiel Bearbeitungsgebühren oder Kontoführungsgebühren. Und ergeben den Effektivzins. Die Formel ist damit diese:

Sollzins + Nebenkosten = Effektivzins.

Anders formuliert: Der Sollzins ist der Zins netto, der Effektivzins der Zins brutto. Interessant ist damit letzten Endes nur der Effektivzins. Weil dieser alle Kosten des Kredits oder Darlehens enthält. Der Sollzins ist dagegen eher der (günstige) Köder, den die Banken auswerfen.

Bis 2010 hieß der Sollzins übrigens Nominalzins. Diesen Begriff schaffte man jedoch mit der neuen Verbraucherkreditrichtlinie ab.

Apropos: Überziehst du dein Girokonto, zahlst du ebenfalls einen Sollzins (Dispozins). Denn auch der Dispo ist ein (kurzzeitiger) Kredit.

Was ist ein gebundener Sollzins?

Wobei auch der Sollzins nicht gleich Sollzins ist. Die Branche – sprich die Banken – unterscheiden in einen gebundenen und variablen Sollzins. Gebunden heißt, dass der vereinbarte Zins während der gesamten Laufzeit oder zumindest über einige Jahre gleich bleibt. Dir als Kreditnehmer gibt das eine gewisse Sicherheit, weil du so besser planen kannst.

Eben das ist der Vorteil des gebundenen Sollzins. Deine Kosten für den Kredit bleiben auf eine gewisse Zeitspanne gleich. Du weißt daher, dass die Kosten – sprich Tilgung plus Zins – auch im nächsten Jahr die Summe X beträgt. Typisch für diesen gebundenen Sollzins sind übrigens Annuitätendarlehen wie die Baufinanzierung. Diese haben in der Regel einen festen Zinssatz über fünf, zehn oder 15 Jahre. Allerdings nicht bis zum Ende der gesamten Laufzeit. Bei einem typischen Ratenkredit über zwölf bis 120 Monate blieben die Kosten (Tilgungsraten) dagegen meist über die komplette Laufzeit gleich.

Was ist ein variabler Sollzins?

Beim variablen Sollzins ist der Zinssatz dagegen nicht fest. Entsprechend können Banken den Zins je nach Marktlage ändert. Hebt zum Beispiel die EZB den Leitzins an, steigen die Sollzinsen auf Kredite. Senkt die EZB den Leitzins, fallen auch die Zinsen auf Kredite. Weil die Banken Geld bei der EZB billiger bekommen.

Als Bezugsgröße für den variablen Sollzins dient übrigens der sogenannte Referenzzinssatz. Eben diesen gibt die Europäische Zentralbank, kurz EZB, vor. Die Banken dürfen beim Anpassen ihres Zins zwar nach dem „billigen Ermessen“ handeln, haben aber keinen Freischein. Stattdessen dürfen sie laut § 315 BGB nur am Zins drehen, wenn sich der EZB-Zinssatz alle zwei Monate um mehr als 0,2 % ändert. Nehmen die Banken Zinsänderungen vor, müssen sie zudem unverzüglich die Darlehensnehmer informieren.

Typisch ist ein solcher variabler Sollzins jedenfalls beim Dispositionskredit, kurz Dispo. Bei dieser erlaubten Überziehung des Girokontos passen Banken meist alle drei Monate den Zinssatz (Dispozins) an den aktuellen Marktzins an. Somit ist und bleibt der Dispozins über die Laufzeit des Girokontos variabel.

Unterschied zwischen Sollzins vs. Effektivzins

Noch mal: Der Sollzins ist der Zins auf einen Kredit bzw. ein Darlehen OHNE Nebenkosten. Somit der Nettozinssatz. Der Effektivzins schließlich dagegen ausdrücklich die Nebenkosten ein. Und zwar…

  • Vermittlungsgebühren
  • Kontoführungsgebühren
  • Zinsen für die Bereitstellung des Kredits
  • Transaktionskosten

Für dich heißt das als Kreditnehmer, dass du bei einem Kreditvergleich immer – IMMER – auf den Effektivzins schauen solltest. Weil dieser ALLE Kosten enthält. Dem Sollzins fehlen diese Nebenkosten, womit er den Vergleich verwässert.

Tipp: Den Effektivzins berechnen die Banken p.a. (per annum = pro Jahr). Wichtig beim Kreditvergleich: Laufzeit und Kreditsumme müssen jeweils gleich sein.

Aufgepasst: Musst du mit dem Kredit eine Restschuldversicherung abschließen? Dann rechne diese ebenfalls zu den Nebenkosten. Damit ist auch die Versicherung im Effektivzins enthalten.

Sollzins vs. Effektivzins im Rechenbeispiel

Du willst bauen und nimmst einen Kredit über 200.000 Euro auf. Der Sollzins beträgt bei jährlicher Tilgung 3,0 % p.a. Somit macht der Sollzins im ersten Jahr 6.000 Euro aus. Dazu berechnet die Bank 100 Euro Kontoführungsgebühren und 400 Euro Bearbeitungsgebühren. Du zahlst also nicht 6.000 Euro, sondern 6.500 Euro. Somit einen Effektivzins von 3,25 %. Die Nebenkosten machen also 0,25 % aus.

Oder anders: Der Sollzins von 3,0 % (6.000 Euro) plus Nebenkosten von 0,25 % (500 Euro) ergibt den Effektivzins von 3,25 % (6.500 Euro).

FAQ: Typische Fragen zum Thema Zins

Wieso ist der Effektivzins höher?

Weil dieser die Nebenkosten enthält. Entscheidend im Kreditvergleich ist daher immer der Effektivzins und nicht der Sollzins.

Was hat Einfluss auf den Sollzins?

Einiges. Und zwar…

  • Kreditsumme
    Zuerst ist die Kreditsumme entscheidend. Je mehr Geld du brauchst, desto höher ist der Zins. Daher lohnt es gerade beim Bauen, Eigenkapital anzusparen – etwa mit Tagesgeld, Festgeld, Bausparen – sowie viel Eigenleistung. Beides senkt deinen Kreditbedarf und damit die Zinsen.
  • Laufzeit
    Gleiches gilt für die Laufzeit. Je länger diese ist – und zwar bei einem gebundenen (festen) Zins -, desto höher ist der Zins. Oder anders: Je länger du mit einem festen Zins planen willst, desto mehr kostet dich diese Planungssicherheit.
  • EZB
    Weniger (bzw. gar keinen) Einfluss hast du wiederum auf die EZB. Dreht die am Leitzins, wirkt das direkt auf den Sollzins. Ein Beispiel zeigte uns die jüngere Geschichte: Mit dem Ende der 0-Zins-Politik 2022 wurden Kredite wieder deutlich teuer.
  • Bonität
    Je besser du finanziell dastehst, desto geringer ist das Risiko der Bank und damit dein Zins. Deine Bonität berechnet die Bank übrigens nicht allein mit deinem Einkommen, sondern auch mit Sicherheiten wie Immobilien oder Aktienpakete.

Wie kann bei Zinsen sparen?

Wie du beim Zinssatz sparen kannst, ist damit schon verraten. Und zwar mit…

  • möglichst vielen Sicherheiten
  • einer kürzeren Laufzeit mit Zinsbindung
  • dem Vergleich von Krediten wie eben auf McDeal24.DE

Zuletzt gibt es einen ganz einfachen Tipp: Verhandele mit der Bank. Je besser du dich verkaufst, desto mehr kannst du rausschlagen. Oder vielmehr: desto weniger Zins.

Sollzins vs. Effektivzins im Kreditvergleich

Einmal mehr: Allein der Sollzins verrät dir nicht die ganzen Kosten des Kredits. Beachte die Nebenkosten, also den Effektivzins. Mit diesem kannst du Kredite – wohlgemerkt bei gleicher Summe und Laufzeit – besser vergleichen.

Tipp: Achte in unseren Kreditvergleichen auf das „Repr. Beispiel“ (in grau unter dem jeweiligen Anbieter). Dieser steht für den sogenannten 2/3-Zins. Das ist der Zins, den zwei Drittel der Antragsteller tatsächlich vom Kreditgeber erhalten. Denn je nach deiner finanziellen Situation (Einkommen, Sicherheiten) und Kreditwunsch (Summe, Laufzeit) erhältst du bessere oder schlechtere Konditionen.

Quelle: finanzcheck.de

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